
Erfurt, am 10. Oktober 2026. Sie helfen, wo andere Unterstützung brauchen, schenken Zeit, übernehmen Verantwortung und bleiben oft über Jahrzehnte hinweg an der Seite ihrer Mitmenschen: Beim diesjährigen Elisabeth-Tag der Caritas am 10. Oktober im Erfurter Mariendom standen mehr als 50 haupt- und ehrenamtlich Engagierte aus dem gesamten Bistum Erfurt im Mittelpunkt. Für ihren außergewöhnlichen Einsatz über 5, 25, 30, 40 oder sogar 61 Jahre hinweg wurden sie mit dem Silbernen oder Goldenen Caritaskreuz, der höchsten Auszeichnung der Caritas in Deutschland, geehrt. Großer Applaus begleitete das gemeinsame Abschlussbild der Ausgezeichneten im Dom. Gut 300 Gäste waren zum Pontifikalgottesdienst mit Bischof Dr. Ulrich Neymeyr und zum anschließenden Empfang der Caritas gekommen. Der Tag stand ganz im Zeichen des Caritas-Jahresthemas 2026: "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen."
Bischof Neymeyr: "Zusammen geht was" - aus der Kraft der Nächstenliebe

In seiner Predigt griff der Erfurter Bischof das Caritas Jahresthema auf und erinnerte an die biblische Geschichte des Gelähmten, den vier Männer gemeinsam zu Jesus brachten. Sie hätten große Mühen auf sich genommen, um einem Menschen in Not zu helfen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was durch Zusammenhalt und Nächstenliebe möglich werde. "Zusammen geht was, es braucht dazu die Kraft der Liebe, der Nächstenliebe, die den Nächsten liebt, weil er der Nächste ist", sagte der Bischof. Diese Liebe erwachse aus der Erfahrung, selbst von Gott geliebt zu sein. Darin sei die Heilige Elisabeth von Thüringen bis heute ein bleibendes Vorbild.
Mit Blick auf die vielen Engagierten würdigte Neymeyr besonders deren Geduld, Güte und Ausdauer. Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten, bedeute auch, Rückschläge auszuhalten, immer wieder zu ermutigen und trotz aller Herausforderungen nicht aufzugeben. Zugleich machte er deutlich, dass christliche Nächstenliebe keine Grenzen nach Herkunft oder Hautfarbe kenne. Mit Blick auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen, insbesondere in Sachsen-Anhalt, warnte er vor Angriffen auf Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände. Caritas und Diakonie seien aus ihrem christlichen Selbstverständnis heraus für alle Menschen da. Dass die Caritas Menschen unabhängig von ihrer Herkunft helfe, werde zunehmend auch zu einem politischen Bekenntnis. An diesem Grundsatz müssten die kirchlichen Wohlfahrtsverbände festhalten, betonte Neymeyr. Den Ehrenamtlichen dankte er ausdrücklich dafür, dass sie diesen Geist christlicher Nächstenliebe im Alltag verwirklichen und die Caritas auf ein breites Fundament stellen. "Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Zusammen geht was", schloss der Bischof seine Predigt.
Caritas lebt von unserem persönlichen Engagement

Beim anschließenden Empfang im Mariendom stellte Diözesan-Caritasdirektor Philipp Nitsche die zu ehrenden Frauen und Männer in den Mittelpunkt seiner Begrüßung. Sein erstes und wichtigstes Wort an sie lautete: Danke. "Caritas lebt nicht von Konzepten, Strukturen und Einrichtungen. Caritas lebt von unserem persönlichen Engagement", betonte er. Sein Dank galt sowohl den vielen Ehrenamtlichen als auch den hauptamtlich Mitarbeitenden, die der Caritas seit Jahrzehnten verbunden sind. Wer über so viele Jahre für andere Menschen da sei, leiste weit mehr als die Erfüllung einer beruflichen Aufgabe oder eines freiwilligen Dienstes. Die hohen Auszeichnungen würdigten deshalb nicht allein die Dauer des Engagements. Vielmehr gehe es um eine Haltung, die Menschen in Not mit Respekt, Aufmerksamkeit und Würde begegne. Die Geehrten seien damit Vorbilder für die gesamte Gesellschaft.
Nitsche erinnerte zugleich an die schwieriger werdenden Rahmenbedingungen sozialer Arbeit. Der Unterstützungsbedarf wachse, finanzielle Spielräume würden enger und der demografische Wandel stelle die sozialen Einrichtungen vor große Herausforderungen. Gerade deshalb brauche es Menschen, die Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen. "Es geht schlicht und ergreifend bei unserem Tun um eine solidarische und menschliche Gesellschaft", sagte der Caritasdirektor.
Generationen verbinden - gemeinsam Verantwortung tragen

Das Caritas Jahresthema: "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen" zog sich wie ein roter Faden durch den Elisabeth-Tag. Junge Menschen mit neuen Ideen und erfahrene Mitarbeitende mit jahrzehntelangem Wissen seien gleichermaßen wichtig, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. "Wir brauchen Erfahrung und Veränderungsbereitschaft. Wir brauchen Haupt- und Ehrenamt. Und vor allem brauchen wir: einander", unterstrich Nitsche. Guntram Wothly, Ehrenamtsbeauftragter der Thüringer Staatskanzlei, richtete ein Grußwort an die Gäste. Hierin kam die große Wertschätzung der Thüringer Landesregierung für den ehrenamtlichen Dienst der Caritas zum Ausdruck. Zum Abschluss überreichte er einen Scheck in Höhe von stolzen 32.505 Euro für die ehrenamtliche Arbeit der Caritas. Ein musikalischer Generationendialog mit Vinzenz Heinze bereicherte das Programm und griff das verbindende Jahresthema auf.
Bis zu 61 Jahre im Dienst der Mitmenschlichkeit

Den Höhepunkt des Empfangs bildeten die Ehrungen der mehr als 50 Frauen und Männer, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen der Caritas im Bistum Erfurt engagieren. Mit dem Silbernen und Goldenen Caritaskreuz wurde ihr außergewöhnlicher und langjähriger Einsatz gewürdigt. Zwischen fünf bis 61 Jahren reicht die Zeitspanne ihres Engagements. Hinter diesen Zahlen stehen unzählige Stunden gelebter Nächstenliebe, Begegnungen mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen, persönliche Erfahrungen und die Bereitschaft, immer wieder Verantwortung zu übernehmen. Ob in der Begleitung älterer und kranker Menschen, in sozialen Einrichtungen, in der Beratung, in der Kinder- und Jugendhilfe oder in anderen karitativen Aufgaben: Die Geehrten stehen stellvertretend für viele Menschen, die das soziale Gesicht der Caritas im Bistum Erfurt prägen. Als sich die Ausgezeichneten zum gemeinsamen Abschlussbild im Erfurter Mariendom aufstellten, erhielten sie großen Beifall. Ein bewegender Moment der Anerkennung für jahrzehntelange Treue und Menschlichkeit.
Der Elisabeth-Tag 2026 machte deutlich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht von allein entsteht. Er lebt von Menschen, die hinschauen, zuhören, helfen und auch dann füreinander da sind, wenn es schwierig wird.
Zusammen geht was - wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.