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Wir brauchen mehr Mitsprache für die Jungen

Wolfgang Gründinger (31) ist Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen (SRZG). Er ist Autor vieler Sachbücher zum Thema Generationengerechtigkeit, darunter auch „Aufstand der Jungen. Wie wir den Krieg der Generationen vermeiden können“. Philipp Rudolf hat mit ihm gesprochen.

Das Schwarz-weiß-Porträt eines MannesWolfgang Gründinger plädiert für mehr Mitspracherecht der jüngeren Generation.David Ausserhofer

Herr Gründinger, gibt es bald Krieg zwischen den Generationen?

Schaut man auf die einzelnen Familien, könnte man eher sagen: Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Die Jugendlichen verstehen sich mit ihren Eltern und Großeltern so gut wie nie zuvor. Die Älteren unterstützen ihre Kinder mit Zeit und Geld. Aber: Auf gesellschaftlicher Ebene spitzen sich die Verteilungskonflikte zu. Das Rentenpaket der Bundesregierung kostet bis zum Jahr 2030 mindestens 160 Milliarden Euro. Parallel dazu wurde die Kita-Qualitätsoffensive auf Eis gelegt und der Breitbandausbau für schnelles Internet kommt nicht voran. Beim einen werden riesige Summen ausgeschüttet, beim anderen beruft man sich auf die schwarze Null.

Was ist nötig, damit die Politik "jünger" wird?

Heute ist jeder zweite Wähler über 50 Jahre alt. Das schlägt sich in der Politik nieder. Wir müssen daher für mehr Mitspracherecht der jüngeren Generation sorgen, zumal diese ja immer kleiner wird. Deshalb sollten auch Menschen, die jünger als 18 Jahre sind, wählen dürfen. Und: Bisher gibt es nur ein Mindestwahlalter, aber kein Höchstwahlalter. Das würde nicht nur die Demokratie, sondern auch die Generationengerechtigkeit stärken.

Wie kann ein gerechter Generationenvertrag aussehen?

Wenn durch den demografischen Wandel die Finanzierung der Rentenversicherung gefährdet wird, kann man das ausgleichen, indem die Menschen länger arbeiten. Die Rente mit 70 würde dann vielleicht im Jahr 2050 kommen. Denn die Deutschen leben ja nicht nur länger als früher, sie sind auch länger fit.

Warum engagieren sich nicht mehr junge Menschen in der Politik?

Parteien gelten bei vielen jungen Menschen leider als korrupt und angepasst. Mit ihnen möchten sie nichts mehr zu tun haben. Die Jungen wollen selbst aktiv werden und bestimmen, wie sie ihre Energie einsetzen. So dröselt sich ihr Engagement oft auf. Der Nachteil kann sein, dass die Organisationskraft darunter leidet und gerade Ältere deren Engagement nicht richtig wahrnehmen.

Werden Ihre Enkel noch in einer sauberen Natur spielen können?

Das Energiesystem aus Kohle, Öl, Gas und Atom ist tatsächlich die schwerste Bürde, die wir künftigen Generationen hinterlassen. Die Rente kann noch so stabil sein, wenn der Regenwald verschwindet, wenn Grönland schmilzt oder die Meere übersäuert sind. Erneuerbare Energien können hier die Lösung sein. Wir haben in Deutschland eine Energiewende angestoßen, die ein beispielloses Generationenprojekt ist. Inzwischen ist es aber ins Stocken geraten. Elektromobilität hinkt meilenweit hinter den Zielvorgaben hinterher. Auch die großen Energiekonzerne müssten einmal tief in die Tasche greifen und ein mutiges Projekt anstoßen.

Autor/in:

  • Philipp Rudolf
Sozialcourage Ausgabe Sozialcourage, Spezial/2016: caritas.de
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