„Dieses Pflegebett bleibt leer!“
Erfurt, 25. Juni 2026 - Was passiert, wenn Pflegeplätze und Pflegedienste verschwinden - nicht, weil sie niemand braucht, sondern weil sie nicht mehr finanzierbar sind? Mit dieser Frage macht die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen - unter ihnen die Caritas im Bistum Erfurt - auf mögliche Folgen der aktuellen Reformvorhaben im Gesundheitswesen aufmerksam.
Zum Auftakt der landesweiten Aktion "Dieses Pflegebett bleibt leer!" wurde am 25. Juni vor einer Pflegeeinrichtung in Erfurt symbolisch ein leerstehendes Pflegebett aufgestellt.
Das Symbol ist bewusst gewählt: Ein Pflegebett vor der Einrichtung, versehen mit der Botschaft "Dieses leere Bett wird präsentiert von der Pflegereform des Bundes". Was auf den ersten Blick wie ein freier Pflegeplatz wirkt, steht tatsächlich für drohende Versorgungslücken, für Angebote, die künftig nicht mehr aufrechterhalten werden können, und für Menschen, die möglicherweise keine passende Unterstützung mehr finden.
Start der landesweiten Aktion zur Pflegereform
Zum Aktionsauftakt ordneten der Vorsitzende der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen, Lars Oschmann, gemeinsam mit weiteren Verbandsvertreterinnen und -vertretern sowie Pflegeexpertinnen und -experten die aktuellen Reformvorhaben ein und machten deren konkrete Auswirkungen auf die pflegerische Versorgung deutlich.
"Wir brauchen dringend eine Pflegereform, daran gibt es keinen Zweifel", betont Oschmann. "Aber die vorliegenden Entwürfe setzen aus unserer Sicht an den falschen Stellen an und gefährden die Versorgung, statt sie zu stärken. Pflegebegleitung, Prävention, Digitalisierung und flexiblere Budgets können wichtige Bausteine einer zukunftsfähigen Reform sein. Entscheidend ist jedoch, dass die Versorgung der Menschen gesichert bleibt."
Auch aus Sicht der Praxis besteht dringender Handlungsbedarf. Andrea Thilo,
Pflegeexpertin der Caritas und Zentrale Pflegedienstleitung, begrüßt die grundsätzlichen Ziele der Reformvorhaben, sieht jedoch erhebliche Risiken in der aktuellen Ausgestaltung:
"Die Reformvorhaben greifen wichtige Themen auf. Sie werden die Pflege jedoch nicht stabilisieren, wenn gleichzeitig bewährte Beratungsangebote abgebaut, Angehörige geschwächt, Eigenanteile erhöht, Tarifsteigerungen nicht vollständig refinanziert und Kosten auf Pflegebedürftige, Dienste, Einrichtungen und Kommunen verlagert werden. Unser Land braucht eine Reform, die Versorgung sichert - keine Reform, die vor allem Kosten verlagert."
Caritasdirektor Philipp Nitsche
"Die Wohlfahrtsverbände - so auch die Caritas - machen deutlich, dass gesundheitspolitische Entscheidungen keine abstrakten Zahlenwerke sind. Sie haben unmittelbare Auswirkungen auf Menschen in Pflegeheimen, auf Pflegebedürftige zu Hause, auf Angehörige, Mitarbeitende und die gesamte Versorgungsstruktur" sagt Diözesan-Caritasdirektor Philipp Nitsche und lädt alle Mitgliedseinrichtungen der Caritas zu einer breiten Mitwirkung an der Aktion ein.
Mit der Aktion "Dieses Pflegebett bleibt leer!" wollen die Verbände deshalb eine breite öffentliche und politische Diskussion anstoßen. Gleichzeitig soll der Auftakt in Thüringen über die Landesgrenzen hinaus wirken und weitere Einrichtungen sowie Pflegedienste dazu ermutigen, sich der Initiative anzuschließen.
Die zentrale Botschaft der Aktion lautet:
Ja zu einer echten Pflegereform. Nein zu einer Kostenverlagerung.
Denn wenn Pflege unter Druck gerät, zeigt sich das nicht in Statistiken, sondern im Alltag der Menschen - dort, wo Unterstützung, Betreuung und Versorgung gebraucht werden.
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Hinweis: * Ein Kurz-Interview mit Andrea Thilo erscheint in den sozialen Medien der Caritas im Bistum Erfurt.
